Nesthocker
Ein Phänomen unserer Zeit ist das Thema „Nesthocker“. Dieser Ausdruck steht für längst erwachsene Kinder, die das traute Elternhaus nicht und nicht verlassen möchten. Meist sind das junge Männer, sehr selten junge Frauen.
Wie kommt es zu dieser Situation?
Auf der einen Seite ist es für den jungen Erwachsenen natürlich eine riesige Geldersparnis. „Draussen“ ist alles teuer, auch das Wohnen. Er muss zu Hause meist kein Geld hergeben, wird verpflegt, die Wäsche wird gewaschen, der Kühlschrank ist immer voll, ohne daß er einkaufen gehen muss, er kann kommen und gehen wann er will und sein Geld (falls er schon einen Job hat) für sich alleine ausgeben und in Lokaltouren und Autos, Motorräder, Designerkleidung, etc. „anlegen“. Falls er noch keinen Job hat und von den gutverdienenden Eltern diesbezüglich gesponsert wird – umso besser für ihn!
Es gibt auch eine Gruppe der sogenannten „ewigen Studenten“. Sie finden und finden nicht die für sie „geeignete“ Studienrichtung und wechseln im Lauf der Jahre auf komplett konträre Studienrichtungen. Die stolzen Eltern sind begeistert über ihren so vielseitig begabten Sohn und möchten ihm die Zukunft nicht verbauen – mit Sicherheit wird er eines Tages einen leitenden Posten in einer weltbekannten Firma einnehmen!
Vor dem Hintergrund dieser Faktoren verwundert es dann auch nicht weiter, wenn junge Männer noch mit 30 oder 35 Jahren im Elternhaus wohnen und ein wahres „Drohnenleben“ führen.
Ständig wechselnde Frauenbekanntschaften (falls der junge Mann nicht zu knausrig für eine Freundin ist und sein Geld lieber ausschliesslich für sich selbst ausgibt) gehören ebenfalls zum Phänomen „Nesthocker“. Keine Frau ist gut genug und keine ist so gut wie die Mutter, die ihn versorgt und ernährt. Und ganz realistisch betrachtet schmeichelt es der allzu liebevollen und beschützenden Mutter natürlich auch, daß keine so „gut“ wie sie ist.
Väter dulden diese Situation meist, weil sie Konfrontationen mit der Partnerin aus dem Weg gehen möchten und damit rechnen, daß sich früher oder später alles doch noch zum Guten wenden wird und der Sohn dann endlich auszieht. Auch ist es ja so, daß der Sohn im Haus eine Art „Bindemittel“ zwischen Ehepartnern sein kann, die sich nach vielen Jahren nicht mehr allzuviel zu sagen haben und der Sex sehr lau und bequem geworden ist. Wenn der Mann dann fremd geht, dann ist es sozusagen „praktisch“, daß die Frau immer wieder vom zu Hause wohnenden Sohn „abgelenkt“ wird – dann hat der Mann dadurch mehr Freiheiten.
Bei jungen Frauen ist es wiederum beim Studium ähnlich wie bei jungen Männern – die Eltern wollen, daß aus ihrer begabten Tochter etwas Besonderes wird. Hier kommt noch dazu, daß eine sehr hübsche Tochter oft von ihrem Vater „vergöttert“ wird und daß ihr dieser nahezu jeden Wunsch von den Augen abliest. Die zukünftigen Partner dieser allzu geliebten Töchter haben es mindestens ebenso schwer wie die Partnerinnen von allzu geliebten Söhnen. Mit einem ehemals zu sehr verwöhnten Kind zu leben kann sehr anstrengend sein und oftmals scheitern Beziehungen und es wird in Partnerschaften kein Glück gefunden.
Lassen wir Kinder erwachsen werden! Sie müssen ihr eigenes Leben leben, damit sie glücklich werden können und nicht mit 50 noch ein Nesthocker sind! Glauben Sie, daß das übertrieben ist? Dann sehen Sie sich doch die Fälle von 50jährigen an, die nach dem Tod der Mutter plötzlich nach der ersten Partnerin in ihrem Leben suchen, die dann aber „Mutterersatz“ sein soll….
Ganz realistisch betrachtet wären diese „ewigen Kinder“ auch sehr dumm, wenn sie das bequeme Leben im Elternhaus ohne besondere Vorschriften und Rücksichten freiwillig aufgeben würden. Draussen im Leben müssen sie sich schliesslich beweisen und es selbst schaffen und viele wollen das gar nicht.
So krass es für manche also klingen mag: junge Männer und Frauen haben ab ca. 25 Jahren (immerhin einem Vierteljahrhundert!) im Elternhaus nichts mehr verloren! Sie sollten von wirklich wohlmeinenden Eltern, die wollen, daß ihr gesundes und tatsächlich geliebtes Kind ein erwachsenes und selbständiges Leben führt, sanft aber bestimmt aus dem ständigen Wohnsitz des Elternhauses eliminiert werden! Lebens- oder Ehepartner sollten sich auf den eigentlichen Zweck ihres Zusammenseins konzentrieren, um nicht eines Tages daraufzukommen, daß sie rein gar nichts mehr verbindet und daß sie nur des Kindes wegen zusammen geblieben sind.